Im Juni 1991 zeigte die "Obdachlosen GmbH & Co KG" mit 15 Obdachlosen gemeinsam
mit professionellen Schauspielern in der Parochialkirche die Produktion
"Untergang". Regisseur war Bernhard Wind. Mit der erfolgreichen Premiere hatten
Menschen, die an den Rand der Gesellschaft geworfen wurden, erfahren, sie können
etwas, sie sind wertvoll. Sie hatten auf den Brettern, die die Welt bedeuten,
Blut geleckt, wollten unbedingt weiter machen. Nach unendlich vielen und langen
Diskussionen wurde der Verein Unter Druck- Kultur von der Straße als
eingetragener Verein gegründet.
Unter Druck musste von Anfang an kämpfen, um Röume, um Finanzierung. Beides
wurde 1991 geschafft. Dass das erste Domizil Brunnenstraße 7 ein besetztes Haus
war, ist typisch für den kleinen rebellischen Verein. Am Ende musste die
Senatssozialverwaltung einsehen, dass kreative Arbeit von und mit Menschen, die
die Gesellschaft abgeschrieben hat, Sozialarbeit ist und so wurde berlinweit die
einzige Tagesstätte für Obdachlose mit TheaterpädagogIn eröffnet.
Der Verein Unter Druck- Kultur von der Straße e.V. hat manche Anfechtung
überstanden, manche Krise, die andere Einrichtungen zum Aufgeben gezwungen
hätte. Zu nennen ist die drastische Kürzung der Finanzierung im April 2003, die
zur Kündigung der vorhandenen Mitarbeiterinnen führte und zum Neuanfang mit
einer Sozialarbeiterin (statt zwei) und ohne Theaterpädagogin zwang. Dass das
gut ging, zeigt, welche Kraft ausgegrenzte Menschen entwickeln können, wenn sie
Verantwortung übernehmen können. Auch der Umzug von Mitte-Alt mit seinem
kreativen Umfeld in dem Arbeitslosenbezirk Wedding war ein Einschnitt. Unter
Druck- Kultur von der Straße e.V. ist im Wedding angekommen. Auch das soll
gefeiert werden.